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Neuseeland - Mehr Freiheit spüren

Auf jede Menge Platz am Strand und rund ums Haus möchte Iris Schleinitz nicht mehr verzichten. Die 38-Jährige genießt ihre Freiräume und die Freiheit in "Down Under". Vor zwanzig Jahren zog sie nach Auckland und stellte fest: Frauen können Neuseeland alles schaffen.

Wir Deutsche neigen dazu, die Dinge zu verkomplizieren. Alle müssen tausend Regeln folgen. Das engt ein. So sehe ich das nach 20 Jahren in Neuseeland. Das Leben hier erscheint mir viel freier, auch wenn der Lebensstandard niedriger ist. Ich bin in 1992 aus Deutschland ausgewandert und noch oft zu Besuch bei meiner Familie auf der Nordhalbkugel.

Der Umzug auf Dauer war nicht wirklich geplant - ich bin der Liebe gefolgt. Mein Ex-Mann ist ein "Kiwi", wie man so die Neuseeländer hier nennt. Wie an dem "Ex" zu erkennen, hat die Liebe nicht gehalten. Aber ich habe mich gleich noch einmal verliebt: in Neuseeland. Nicht nur der Natur wegen.

In Deutschland war ich auf die Technische Fachoberschule gegangen und hatte nur wenige Mitschülerinnen. In Deutschland hieß es, dass Mädchen fürs Technische und für Mathe kein wirkliches Verständnis hätten. Auf der Universität in Neuseeland war davon keine Rede und das Verhältnis zwischen Männern und Frauen stets halbe halbe. Die Emanzipation war in Deutschland noch nicht so weit und ich muss sagen, meiner Ansicht nach ist sie immer noch nicht so weit, wie sie sein könnte.

Ich glaube, der große Unterschied ist, dass Frauen in Neuseeland schon viel länger "gleichberechtigt" waren. Es war eins der ersten Länder in denen Frauen wählen durften. Natürlich ist der Neubeginn in einem Einwandererland hart. Auch Frauen arbeiten hier meist Vollzeit. Aber das hält sie nicht davon ab, Kinder und Arbeit unter einen Hut bringen zu wollen. Es ist einfacher hier, jemanden zu finden, der auf die Kinder aufpasst.

Vor einiger Zeit traf ich mich mit ein paar alten Schulfreundinnen. Dass eine von ihnen fast sechs Jahre lang Mutterschaftsurlaub hatte, für ihre zwei Kinder, und eine andere Freundin wegen ihrer Kinder auch lange nicht gearbeitet hatte, hat mich sehr verblüfft. Das gibt es in Neuseeland selten. Kariere spielt für alle eine große Rolle auch für Frauen, die Kinder haben.

Das Paradox: Der Lebensstandard in Deutschland ist im Vergleich zu Neuseeland sehr viel besser. Einkaufen macht in Deutschland mehr Spaß, die Auswahl ist größer. Und trotz der hohen Steuern scheint man sich im Durchschnitt mehr leisten zu können. Deutschland gehört eben zu "Ersten Welt". Das sieht man sofort. Neuseeland, obwohl von der "Dritten Welt" weit entfernt, ist eher Teil der "Zweiten Welt".

Interessanterweise scheint sich mit der Bevölkerungsdichte in Deutschland der persönliche Privatraum zu verringern. Hier in Neuseeland stehen sich Leute einfach nicht so auf den Füßen. Rund ums Haus hat der Durchschnitts-Neuseeländer sehr viel mehr Land ums Haus als der Deutsche. Ich schätze das mittlerweile sehr. Ein "völlig überfüllter Strand" bedeutet hier, dass man nur zehn Quadratmeter für sich hat und oft sogar noch mehr. In Deutschland sind mir jetzt immer zu viele Leute um mich herum. Da habe ich mich sehr verändert. Aber ich werde immer eine Deutsche bleiben und auch darauf stolz sein.

Iris Schleinitz

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